Newsletter des Startup-Verbands am Donnerstag, den 24.09.2026

Bühne frei für eine neue Gründerzeit

Zehn Forderungen stehen. Jetzt geht es darum, daraus konkrete Veränderungen zu machen. Beim ersten Abend unserer Eventreihe „Für eine neue Gründerzeit, jetzt!“ haben wir gemeinsam mit Politik, Wirtschaft und Startup-Ökosystem vier Themen genauer unter die Lupe genommen: Altersvorsorge, die WIN-Initiative, Kündigungsschutz und Mitarbeiterkapitalbeteiligung.

Am 23. September waren wir zu Gast bei der Deutschen Börse in Berlin. Unser Ziel: nicht noch einmal aufzählen, was am Startup-Standort schwierig ist, sondern darüber sprechen, was sich jetzt bewegen muss.

Von zehn Forderungen zur konkreten Umsetzung

Zum Auftakt ordnete unsere Vorstandsvorsitzende Verena Pausder ein, warum wir die Initiative im Juni gestartet haben und was seitdem passiert ist. Mehr als 120 namhafte Erst­unterzeichner*innen haben unseren Appell damals mitgetragen. Schon kurze Zeit später hatte sich die Zahl der Unterstützer*innen mehr als verzehnfacht.

Auch politisch ist etwas in Bewegung gekommen: Zwei unserer Kernforderungen wurden im Reformpaket des Koalitionsausschusses aufgegriffen. Jetzt kommt es darauf an, aus den Ankündigungen praxistaugliche Reformen zu machen.

Thomas Book, Vorstandsmitglied der Deutschen Börse AG, begrüßte die Gäste als Gastgeber und eröffnete gemeinsam mit Verena Pausder den inhaltlichen Teil.

 

Rente trifft Wachstumskapital

Wie machen wir die Rente sicherer und mobilisieren gleichzeitig mehr Kapital für die Unternehmen der Zukunft? Dazu brachten Thomas Book und Verena Pausder ihre Perspektiven in zwei kompakten Power-Pitches auf den Punkt.

Für uns ist klar: Venture Capital muss als Anlageklasse in allen drei Säulen der Altersvorsorge mitgedacht werden. Gerade bei langfristigen Anlagehorizonten liegt enormes Potenzial. Wenn wir die globalen Champions von morgen hier aufbauen wollen, müssen wir mehr Kapital in Deutschland und Europa mobilisieren.

Im anschließenden Deep Dive diskutierten Katharina Beck MdB, finanzpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Thomas Book und Verena Pausder darüber, wie Altersvorsorge und Venture Capital zusammenspielen können. Moderiert wurde die Runde von Niels Tomm von der Deutschen Börse AG.

 

WIN: Wie kommt mehr privates Kapital ins System?

Beim Deep Dive „WIN-Initiative: Stand & Perspektiven“ ging es direkt mit der Wachstumsfinanzierung weiter. Zoé Fabian-Frey, General Partner bei Noteus Partners, und Dr. Dominik Steinkühler, Bereichsleiter Strategie und Volkswirtschaft bei der KfW, diskutierten mit unserem Geschäftsführer Christoph J. Stresing darüber, wie mehr privates und institutionelles Kapital für Startups und Scaleups mobilisiert werden kann.

Damit aus Zusagen auch langfristig mehr Investitionen werden, braucht es weniger steuerliche und regulatorische Hürden, stärkere Anreize für institutionelle Investor*innen und einen europäischen Kapitalmarkt, der große Wachstumsrunden ermöglicht.

 

Ein richtiger Schritt – aber noch zu klein

Kapital allein baut noch keine Unternehmen. Dafür braucht es Talente, agile Teams und Rahmenbedingungen, mit denen wachsende Unternehmen schnell auf Veränderungen reagieren können.

Beim Praxischeck zum Kündigungsschutz ordnete Christoph Seidler, Partner bei Osborne Clarke, die angekündigte Reform ein. Künftig soll das Arbeitsgericht Beschäftigungsverhältnisse mit Spitzenverdienenden ab einem Jahresgehalt von aktuell 177.450 Euro auf Antrag des Unternehmens gegen eine Abfindung auflösen können.

Ein sinnvoller Schritt – allerdings mit begrenzter Wirkung: Die betroffene Gruppe macht nur rund 0,3 Prozent der Beschäftigten in Deutschland aus. Weitergehende Vorschläge, etwa eine höhere Schwelle als zehn Beschäftigte oder mehr Flexibilität in den ersten Jahren nach einer Gründung, wurden bislang nicht aufgegriffen.

 

Beteiligung, die auch praktisch funktioniert

Wie Startups gute Mitarbeiter*innen nicht nur gewinnen und halten, sondern auch am gemeinsamen Erfolg beteiligen können, zeigte anschließend Clemens Höhn, Partner bei Hengeler Mueller.

Über viele Jahre hat er uns bei unserer Kampagne #ESOPasap und den anschließenden Gesetzgebungsverfahren juristisch begleitet. In seinem Praxischeck ging es um die Chancen des § 19a EStG, aber auch um die Hürden, die weiterhin bestehen. Denn Mitarbeiterkapitalbeteiligung kann im Wettbewerb um Talente ein echter Vorteil sein – dafür muss sie aber zugänglich, attraktiv und praktikabel sein.

 

Am 7. Oktober geht es weiter

Kapital und Talente waren nur der Anfang. Beim zweiten Abend am 7. Oktober bei GetYourGuide sprechen wir über die DMA-Durchsetzung, die EU Inc., Ausgründungen, KI-Infrastruktur und die Rolle des Staates als Ankerkunde.

Die Impulse und Perspektiven aus beiden Veranstaltungen fließen außerdem in unser E-Paper ein, das wir nach dem zweiten Abend veröffentlichen. Die ersten drei Beiträge sind bereits online – ein bisschen Lesestoff bis zu unserem Wiedersehen am 7. Oktober.

Ein großes Dankeschön geht an die Deutsche Börse als Gastgeber sowie an EY, GetYourGuide, Osborne Clarke, Qonto und Quantum Systems für die Unterstützung. Und natürlich an alle Speaker*innen und Gäste, die ihre Erfahrungen und Ideen eingebracht haben.

Alle zehn Forderungen, die ersten Beiträge und weitere Informationen findet ihr auf unserer Website: Für eine neue Gründerzeit, jetzt!

Verena Pausder und Thomas Book eröffnen den Abend.

Katharina Beck MdB, Thomas Book und Verena Pausder diskutieren über Altersvorsorge und Venture Capital. Moderation: Niels Tomm.

Zoé Fabian-Frey, Dr. Dominik Steinkühler und Christoph J. Stresing beim Deep Dive zur WIN-Initiative.

Christoph Seidler und Christoph J. Stresing beim Praxischeck zum Kündigungsschutz in Deutschland.

Clemens Höhn zeigt, was sich bei der Mitarbeiterkapitalbeteiligung noch ändern muss.

Alle Fotos: © Lukas Schramm

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