Startup-Verband kritisiert Berliner Ausbildungsabgabe
Berlin, 25.03.2026
Stresing zur Berliner Ausbildungsabgabe: “Mehr als ein fatales Signal für Startups und Scaleups in der Hauptstadt”
Startup-Verband kritisiert geplante neue Belastungen scharf.
Berlin, 25.03.2026: “Die geplante Abgabe ist Ausdruck einer wirtschaftsfeindlichen Politik gegen den eigenen Standort”, kritisiert Christoph J. Stresing, Geschäftsführer des Startup-Verbandes, anlässlich der für Donnerstag im Berliner Abgeordnetenhaus vorgesehenen Abstimmung zur Ausbildungsplatzabgabe.
Nach den Vorschlägen der Regierungsfraktionen verpflichtet die Berufsausbildungssicherungsumlage Berliner Arbeitgeber zur Zahlung einer Umlage von bis zu 0,5 Prozent der Bruttolohnsumme – unabhängig davon, ob sie überhaupt duale Ausbildungsplätze schaffen könnten. Dadurch würden laut Stresing insbesondere die Treiber des Berliner Wirtschaftswachstums - Startups und Scaleups aus den Zukunftsbereichen Software, KI und DeepTech, deren Belegschaft ganz überwiegend aus Hochschulabsolvent*innen stammt - hart getroffen.
Letzte Änderungen ohne spürbare Relevanz für Startups und Scaleups
Auch die kürzlich erzielte Einigung zwischen den Regierungsfraktionen, nach der Unternehmen mit unter zehn Beschäftigten von der Abgabe ausgenommen werden sollen, ändere nichts an der kritischen Einschätzung. Denn die Meldepflicht zur Mitarbeitendenzahl gelte für sämtliche Unternehmen.
“Wer ein Startup gründet, plant von Beginn an groß und kalkuliert Standortkosten mit ein. Außer in Bremen gibt es in Deutschland nirgendwo sonst eine solche Sonder-Abgabe. So schwächt sich Berlin ohne Not selbst. Neue Ausbildungsplätze werden dadurch nicht geschaffen. Aber viel zusätzliche Bürokratie und neue Belastungen. Das ist das Gegenteil dessen, was Startups und Scaleups jetzt in der aktuellen wirtschaftlichen Krise brauchen”, mahnt Stresing.
Berlin schwächt sich im nationalen Startup-Wettbewerb
Deutschland erlebt derzeit eine Gründungswelle: 3.568 neue Startups wurden 2025 gegründet. Das sind 29 Prozent mehr als im Vorjahr und ein Allzeithoch. Berlin bleibt mit 16,8 Neugründungen pro 100.000 Einwohnern zwar die Gründungshauptstadt Deutschlands. Doch der Vorsprung schmilzt. München hat beim Gründungsvolumen pro Kopf erstmals zu Berlin aufgeschlossen, beim Investitionsvolumen sogar überholt (2,7 Mrd. vs. 2,4 Mrd. Euro).
“In diesem Moment scheint der Berliner Senat eine Ausbildungsplatzabgabe durchzupeitschen und sendet damit – gravierender verfassungsrechtlicher Bedenken zum Trotz - mehr als ein fatales Signal an den eigenen Gründungs- und Wirtschaftsstandort”, so der Geschäftsführer des Startup-Verbandes.
“Berlin ist noch die Startup-Hauptstadt Deutschlands – aber dieser Status fällt nicht vom Himmel”, erläutert Christoph J. Stresing. “Deswegen sollte es darum gehen, was der Senat für Startups und Scaleups tun kann. Dass der CDU-geführte Senat mit der Abgabe Gründerinnen und Gründern in Berlin aber das Leben schwerer machen will, ist sehr enttäuschend.”
Die Abgeordneten der Regierungsfraktionen seien aufgefordert, diese Bedenken ernst zu nehmen und ihr Abstimmungsverhalten am Donnerstag im Sinne des Berliner Startup-Ökosystems zu überdenken. Wer die Hand für die Abgabe hebe, stimme gegen die Attraktivität des Berliner Startup-Standorts.
Hintergrund
Der Startup-Verband hatte sich seit Beginn des Gesetzgebungsverfahren gegen neue Belastungen für Startups und Scaleups ausgesprochen und auf die zu befürchtenden negativen Folgen für technologieorientierte Wachstumsunternehmen hingewiesen. Ein im Oktober 2025 veröffentlichtes Rechtsgutachten der Kanzlei Taylor Wessing kam zu dem Ergebnis, dass die Umlage in der vorliegenden Fassung gegen das Grundgesetz verstoße, weil die erfassten Arbeitgeber keine homogene Gruppe im verfassungsrechtlichen Sinne bilden. Auch unter diesen rechtlichen Aspekten hatte sich der Startup-Verband für grundsätzliche Anpassungen des Entwurfes und entsprechende Ausnahmetatbestände eingesetzt.