DSM 2026 – Startups trotzen Konjunktur

Berlin, 28.09.2026

Deutscher Startup Monitor 2026: Startups trotzen der Konjunktur

Mehr Investments, Rekord bei Unicorns, starke DeepTech-Dynamik. Doch Skalierung und USA-Abhängigkeit bleiben die großen Baustellen. Pausder: „Startups trotzen dem konjunkturellen Trend – hier liegt die Zukunft unserer Wirtschaft.“


Berlin, 28. September 2026 – Der 14. Deutsche Startup Monitor zeigt ein Ökosystem, das gegen den konjunkturellen Trend arbeitet: Während die etablierte Industrie Monat für Monat Stellen abbaut, entstehen so viele junge, wachstumsorientierte Unternehmen wie nie zuvor. Die Befragung von 1.803 Startups zeigt aber auch, wo der Startup-Standort Deutschland noch zulegen kann.

Das sind die Kernergebnisse: 

  • Rekord bei Unicorns, Exit in den USA: Mit 10 neuen Unicorns allein 2026 verzeichnet das Ökosystem schon jetzt einen Rekord. Für einen potenziellen Börsengang zieht es die große Mehrheit (62 Prozent) aber immer noch in die USA.
  • Auf Gründungsboom folgt Investmenthoch: Mit 8 Milliarden Euro floss bereits jetzt deutlich mehr Kapital in Startups als im gesamten Jahr 2025. Treiber sind DeepTech und Defence. 
  • Tech-Souveränität braucht Skalierung: 64 Prozent der Startups sind überwiegend auf US-Anbieter angewiesen. Konkurrenzfähige europäische Angebote fehlen bislang.
  • KI wird zum Standard: Für 53 Prozent ist die Technologie bereits Kern des Produkts und gerade bei jüngeren Startups ist die Technologie immer häufiger elementar. 
  • Forschung als Basis: Jedes zweite Startup (51 Prozent) wurde von Hochschulen oder Forschungseinrichtungen unterstützt. 70 Prozent bewerten diese Unterstützung als (sehr) wichtig.
  • Startups finden wieder Personal: Nur noch 15 Prozent sehen im Fachkräftemangel eine (sehr) große Hürde. Vor zwei Jahren waren es 30 Prozent.

„Deutschland gründet wieder – in der Breite und auf einer starken technologischen Basis. Der erfolgreiche Raketenstart vor Isar Aerospace zeigt, was für ein unfassbares Potenzial wir hier haben. Was aber fehlt, ist ein wirtschaftliches Umfeld, das mitzieht: Die Kooperationen mit Etablierten gehen zurück, und das verfügbare Kapital reicht für den Sprung an die Weltspitze nicht aus. Darum gilt es jetzt, die Startup- und Scaleup-Strategie umzusetzen, Finanzierungen zu stärken und mit der EU Inc. endlich Gründen und Skalieren in Europa grundlegend zu vereinfachen“, sagt Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbands.

Kapital ist Wachstumsressource – und konzentriert sich stärker an der Spitze

Mit 8,0 Mrd. Euro liegt das Investitionsvolumen bereits im September über dem Gesamtjahreswert 2025 (7,5 Mrd. Euro), getragen von wenigen besonders großen Runden – insbesondere in den Bereichen DeepTech und Defence. In der Breite dagegen liegt die Zahl der Finanzierungsrunden rund ein Viertel unter dem Niveau von 2021. Gerade bei den Erstrunden ist ein weiterer Rückgang zu beobachten. 

Einerseits sind in diesem Jahr echte Erfolge zu feiern, da schon bis September 10 deutsche Startups 2026 zu Unicorns aufgestiegen sind. Das sind so viele wie seit 2021 nicht mehr, womit die Gesamtzahl aktuell auf 39 steigt. Gleichzeitig kann der deutsche Kapitalmarkt dieses Wachstum nur bedingt aufnehmen: 62 Prozent der Startups, die einen Börsengang planen, wollen an eine US-Börse, nur 27 Prozent an eine deutsche. 89 Prozent der Gründer*innen fordern deshalb mehr Wagniskapital aus Deutschland und Europa.

„Beim Thema Finanzierung geht es wieder aufwärts und gerade im DeepTech-Sektor sind dieses Jahr viele starke Unternehmen zu Unicorns aufgestiegen. Das zeigt, was in Deutschland möglich ist. Beim Wachstumskapital und vor allem bei großen Runden hängen wir international aber immer noch hinterher. Da müssen wir gegensteuern, denn genau hier entscheidet sich, ob unsere Unternehmen den Sprung an die Spitze schaffen“, so Verena Pausder.

Tech-Souveränität braucht einen echten Binnenmarkt 

Die Unabhängigkeit bei digitalen Technologien entscheidet sich vor allem auch am Angebot: 64 Prozent der Startups setzen überwiegend oder ausschließlich auf US-Anbieter. Wer wechseln will, scheitert häufig an Alternativen: 63 Prozent nennen einen geringeren Funktionsumfang, 55 Prozent das Fehlen einer europäischen Lösung für den eigenen Anwendungsfall. 

Damit europäische Anbieter diese Lücke füllen können, müssen sie vor allem skalieren können. Hier setzt EU Inc. an: 64 Prozent der Gründer*innen fordern einen vollständig digitalen Gründungsprozess, 57 Prozent das Entfallen der Notarpflicht, 55 Prozent eine erleichterte Expansion in andere EU-Märkte. Solange Gründung und insbesondere Skalieren in Europa schwerer sind als in den USA, bleibt die Abhängigkeit.

Warum echte Reformen hier dringend notwendig sind, zeigt auch die Bewertung des Gründungsstandorts Deutschland. Sie fällt in diesem Jahr wieder etwas kritischer aus: Nur noch 31 Prozent der Gründer*innen halten Deutschland für attraktiver als die USA, nach 40 Prozent im Vorjahr. Ein Wegzug bleibt für die Breite zwar kein Thema (61 Prozent), doch 24 Prozent halten sich diese Option offen. Ziel Nummer eins bleiben die USA (46 Prozent). 

Hochschulen und Forschung sind der Motor

Die besondere Stärke des Startup-Ökosystems liegt in der Nähe zur Wissenschaft: Bei 59 Prozent der Startups geht das Produkt direkt oder indirekt aus neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen hervor. Rund 10 Prozent der Startups lassen sich dem Bereich DeepTech zuordnen – sie geben an, grundlegend neue Technologien auf den Markt zu bringen, die eine erhebliche Entwicklungszeit brauchen. Hier kann Deutschland auch in Zukunft seine Stärken im industriellen Sektor ausspielen.

Die Hochschulen wirken dabei konkret mit: 51 Prozent der Gründer*innen haben Unterstützung von Hochschulen oder Forschungseinrichtungen erhalten. 70 Prozent von ihnen nennen sie wichtig oder sehr wichtig für die Gründung – vor allem beim Zugang zu Talenten (56 Prozent) und bei der Vernetzung in die Startup-Szene (51 Prozent).

„Unsere Hochschulen sind die wichtigste Säule des Startup-Ökosystems – bei Talenten, bei Netzwerken, bei Technologie. Gemessen an der Qualität der deutschen Forschungslandschaft gründen daraus aber immer noch viel zu wenige. Mit den Startup-Factories gehen wir in die richtige Richtung, um so die deutsche Wirtschaft wieder ganz nach vorne bringen“, sagt Dr. Alexander Hirschfeld, Head of Research beim Startup-Verband.

Startups treiben KI voran – die etablierte Wirtschaft hält sich zurück

Für 53 Prozent der Startups steht Künstliche Intelligenz (KI) inzwischen im Zentrum des Produkts, nach 45 Prozent im Vorjahr und 39 Prozent 2024. Besonders Neugründungen bauen ihren Tech-Stack immer häufiger von Beginn an auf generativer KI auf. Startups sind damit Vorreiter der Technologie und zugleich zentrale Digitalisierungspartner für Mittelstand und Industrie. Dass der B2B-Anteil an den Startup-Umsätzen mit 77 Prozent einen Rekordwert erreicht, unterstreicht diese Rolle.

Trotzdem wird die Lücke zwischen Startups und etablierter Wirtschaft größer: Nur noch 54 Prozent der Startups arbeiten mit etablierten Unternehmen zusammen, nach 56 Prozent im Vorjahr und 72 Prozent im Jahr 2020. Lediglich 16 Prozent bewerten die Kooperationsbereitschaft der etablierten Wirtschaft als hoch. An den Erfahrungen liegt es nicht: Wo zusammengearbeitet wird, sind 74 Prozent mit dem Return-on-Invest zufrieden.

Fachkräftemangel nur noch selten Hürde, Startups stellen weiter ein

Der Arbeitsmarkt hat sich gedreht und das kommt jungen Unternehmen zugute: Nur noch 15 Prozent sehen die Suche nach passenden Mitarbeitenden als große Hürde – vor zwei Jahren war es fast jedes dritte Startup (30 Prozent). Bei Scaleups mit mindestens 50 Beschäftigten ist der Effekt sogar noch deutlicher (der Wert sinkt hier von 56 Prozent auf 18 Prozent). Damit fällt eine der größten Wachstumsbremsen der vergangenen Jahre weg. 

Die durchschnittliche Mitarbeitendenzahl geht weiter leicht zurück auf 15,3, gegenüber 15,8 im Vorjahr. Ähnlich wie beim Fachkräftemangel zeigt sich hier der KI-Effekt: Gerade Software-Startups könnten durch KI-Coding-Tools die Produktentwicklung enorm beschleunigen und brauchen entsprechend weniger Personalressourcen. 

Trotzdem bleiben Startups Jobmotor: 83 Prozent planen in den kommenden zwölf Monaten Neueinstellungen, im Schnitt sollen die Teams um 5,5 Personen und damit um 36 Prozent wachsen. Auch rückblickend hellt sich das Bild auf: 61 Prozent haben im vergangenen Jahr neu eingestellt, der Anteil mit Entlassungen sank leicht von 17 Prozent auf 13 Prozent.

 

Den gesamten Deutschen Startup Monitor gibt es hier.
 

Über den Deutschen Startup Monitor

Der Deutsche Startup Monitor ist die umfassendste Studie zu Startups in Deutschland und erscheint seit 2013 jährlich. Für den DSM 2026 wurden vom 15.06. bis 31.08.2026 insgesamt 1.803 Datensätze von Gründer*innen und Geschäftsführenden deutscher Startups erhoben. Grundlage ist eine Definition von Startups als Unternehmen, die jünger als zehn Jahre sind, innovative Produkte oder Geschäftsmodelle anbieten und ausgeprägte Wachstumsambitionen haben. Ergänzend fließen Investment- und Gründungsdaten von Dealroom und startupdetector (Stand: September 2026) sowie Vergleichswerte des ifo Instituts (Juli 2026) ein.

Über den Startup-Verband

Der Startup-Verband (Bundesverband Deutsche Startups e.V.) ist die Stimme der Startups in Deutschland. Er vertritt ihre Interessen gegenüber Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit. In seinem Netzwerk mit über 1.200 Mitgliedern schafft der Verband einen Austausch zwischen Startups, Scaleups, Investoren und etablierter Wirtschaft. Ziel des Startup-Verbandes ist es, Deutschland und Europa zu gründungsfreundlicheren Standorten zu machen. Weitere Informationen unter www.startupverband.de

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