Darum gibt es in Deutschland zu wenig Gründerinnen | Female Founders Monitor 2025

Gütersloh / Berlin, 02.04.2025

Der Anteil von Frauen an Startup-Gründenden liegt in Deutschland bei nur 19 Prozent und ist im vergangenen Jahr sogar leicht zurückgegangen. Die größten Probleme: Zu wenig Impulse im Bildungssystem, Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Care-Arbeit und Beruf sowie fehlende Zugänge zu relevanten Netzwerken. Die vom Startup-Verband im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellte Studie zeigt aber auch: Obwohl der Frauenanteil weiter gering ist, sicherten sich Gründerinnen in den vergangenen Jahren häufiger und mehr Wagniskapital. Damit können sie zu den zentralen Treibern einer neuen Wachstumsphase im Startup-Ökosystem werden. 

Der Gendergap in der Startup-Welt, also der geringere Anteil von Gründerinnen, hat seine Wurzeln bereits in frühen Lebensphasen. Hier fehlt es an Vorbildern, das Bildungssystem bricht bestehende Muster nicht ausreichend auf. Ein weiterer Bremsfaktor für Gründerinnen sind die Probleme bei der Vereinbarkeit von Familie und Unternehmertum. Hier stehen die Frauen weiterhin vor strukturellen Barrieren. Das zeigt die Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, für die der Startup-Verband deutschlandweit mehr als 1.800 Startup-Unternehmer:innen und 1.000 Studierende befragt hat. 

„Deutschland kann es sich nicht leisten, auf das Potenzial von Frauen zu verzichten. Sie sind die größte stille Reserve unseres Landes“, sagt Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbandes. „In Zeiten wirtschaftlicher Stagnation brauchen wir alle, die unsere Wirtschaft nach vorne bringen. Startups sind entscheidend, um neue Impulse zu setzen und wieder Dynamik zu entfalten. Mehr Gründerinnen bedeuten mehr Innovation in Deutschland.“ 

 

Gendergap öffnet sich schon früh 

Tradierte Rollenbilder beeinflussen die Karrierepräferenzen junger Menschen – und stellen bereits in der Jugend und im Studium die Weichen für den Gendergap im Startup-Ökosystem. Rund zwei Drittel der Startup-Gründer in Deutschland haben den Plan einer Gründung bereits als Jugendliche oder während des Studiums gefasst. Bei den Frauen ist der Anteil mit 43 Prozent deutlich niedriger. 

Frauen setzen mit Blick auf ihren zukünftigen Job bereits im Studium andere Prioritäten als Männer. So streben 60 Prozent der Studentinnen einen sicheren Arbeitsplatz an, während das nur für 32 Prozent der männlichen Studierenden eine wichtige Rolle spielt. Das zeigt, wie gesellschaftliche Erwartungen das Risikobewusstsein von Frauen und Männern unterschiedlich prägen. Das führt dann dazu, dass Frauen seltener früh den Weg in Richtung Startup gehen.  

 

Berufliche Erfahrung ermutigt Frauen zur Gründung   

Erst später im Beruf ändert sich der Blick der Frauen auf Startups: Ein Drittel der Gründerinnen fasst den Entschluss zur Gründung in den ersten Jahren der Berufstätigkeit, ein weiteres Viertel sogar erst im weiteren Karriereverlauf.  

„Es wird deutlich, dass Unternehmertum nicht am fehlenden Interesse scheitert – sondern an Rahmenbedingungen, die erst später in der Laufbahn zur Selbstständigkeit ermutigen. Frauen ziehen ihre Gründungsmotivation stärker aus beruflicher Erfahrung und wollen häufiger gesellschaftlich wirken“, sagt Jennifer Eschweiler, Gründungsexpertin der Bertelsmann Stiftung.    

 

Kulturwandel notwendig: Die Veränderung beginnt im Kopf 

Der Report macht deutlich, dass es einen Kulturwandel braucht. Gründerinnen sehen den Gendergap häufiger als Problem als ihre männlichen Kollegen – 87 Prozent der Frauen sehen hier eine Herausforderung, während nur die Hälfte der Männer dies als Problem wahrnimmt. Interessant: In gemischten Teams steigt das Problembewusstsein der Männer auf 64 Prozent. Es zeigt sich, wie wichtig es ist, dass sich männlich geprägte Netzwerke weiter öffnen und diverser werden. 

Eng verbunden mit dem Thema Kulturwandel ist die Vereinbarkeit von Familie und Unternehmertum. Die Familiengründung fällt zeitlich oft mit der Unternehmensgründung zusammen und Frauen leisten nach wie vor den Großteil der Care-Arbeit. Mit 81 Prozent der Gründerinnen und 60 Prozent der Gründer sehen beide Geschlechter hier den wichtigsten Hebel zur Erhöhung des Gründerinnenanteils.   

 

Positiver Trend bei Investments – doch große Schieflage bleibt  

Immer mehr Investor:innen erkennen das Potenzial weiblicher Startups: Seit 2017 hat sich die Zahl der Risikokapital-Finanzierungen für Startups mit mindestens einer Gründerin fast verdoppelt, das investierte Kapital sogar vervierfacht. Dennoch fließen weiterhin 91 Prozent des Wagniskapitals in rein männliche Gründungsteams. Das zeigt zum einen, dass gezielte Maßnahmen zur Förderung von Frauen im Investmentbereich weiterhin notwendig sind, zum anderen weist es darauf hin, welches Potenzial für die nächste Wachstumsphase hier noch vorhanden ist. 

„Gründerinnen den Weg zu ebnen, ist daher eine Gemeinschaftsaufgabe“, sagt Julia Scheerer, Wirtschaftsexpertin der Bertelsmann Stiftung. „Frauen werden durch fehlende Vorbilder und Stereotype gebremst. Politik, Investor:innen und das gesamte Startup-Ökosystem sind gefordert, für bessere Rahmenbedingungen zu sorgen. Denn eines ist klar: Mehr Gründerinnen bedeuten mehr Innovation – und mehr Innovation brauchen wir für eine erfolgreiche Zukunft.“ 


Den gesamten Monitor gibt es hier.

 

Zusatzinformation:  
Zur Veröffentlichung des aktuellen Female Founders Monitors am 2. April diskutieren Expert:innen der Bertelsmann Stiftung und des Startup-Verbands die Ergebnisse mit spannenden Persönlichkeiten, wie Verena Pausder (Vorstandsvorsitzende Startup-Verband), Kristina Nikolaus (Co-Founder und CEO OKAPI:Orbits) und Zoé Fabian-Frey (General Partner Noteus).  

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