Newsletter des Startup-Verbands am Donnerstag, den 09.09.2026

Wir sind im Orbit: Wie ein deutsches Startup europäische Raumfahrtgeschichte schreibt

Am Samstagabend hieß es für Spectrum: ab in den Orbit. Um 22:12 Uhr MESZ hob die Trägerrakete unseres Mitglieds Isar Aerospace vom Weltraumbahnhof Andøya im Norden Norwegens ab. Mit an Bord: fünf Kleinsatelliten und ein technologisches Experiment. Rund zwei Stunden später stand fest: Die Nutzlasten sind ausgesetzt, die Mission ist geglückt. Isar Aerospace ist damit das erste kommerzielle Raumfahrtunternehmen Europas, das eine selbst entwickelte Rakete in eine Erdumlaufbahn gebracht hat. 

„Wir sind im Orbit!“, meldete das Team noch in der Nacht. Beim zweiten Flug. Acht Jahre nach der Gründung.  

Kanzler Merz: „Das ist der Beginn einer neuen Ära.“ 

Bundeskanzler Friedrich Merz gratulierte: „Großer Glückwunsch an Isar Aerospace für den erfolgreichen Start der Trägerrakete Spectrum. Das erste Mal vom europäischen Kontinent aus in die Erdumlaufbahn. Das ist der Beginn einer neuen Ära.“ Die ESA verbuchte den Flug zugleich als ersten erreichten Meilenstein ihrer European Launcher Challenge. EU-Raumfahrtkommissar Andrius Kubilius sah Europas unabhängigen Zugang zum Weltraum deutlich gestärkt. 

Ein Flug, der jede Etappe genommen hat 

Der Erstflug im März 2025 war nach rund 30 Sekunden zu Ende. Diesmal lief die Sequenz komplett durch: Die zweistufige Rakete überstand den Punkt der größten aerodynamischen Belastung, brannte die erste Stufe aus, trennte sie ab und zündete die Oberstufe. Nach dem Überschreiten der Kármán-Linie in 100 Kilometern Höhe fiel die Nutzlastverkleidung, es folgten Orbitalgeschwindigkeit, Einschussmanöver und das Aussetzen der Satelliten. 

Spectrum misst 28 Meter, arbeitet mit zehn Triebwerken und bringt bis zu 1.000 Kilogramm in eine niedrige Erdumlaufbahn. Die Nutzlasten stammten aus dem Microlauncher-Wettbewerb der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR, finanziert über das ESA-Programm Boost!. Er verschafft Hochschulen und jungen Unternehmen einen bezahlbaren Weg ins All. Auch das gehört zu diesem Abend: Hier hat ein Startup anderen Startups die Tür aufgehalten. 

Souveränität, die man abheben sehen konnte 

Europäische Souveränität klingt oft ziemlich abstrakt. Am Samstagabend konnte man sie beim Abheben beobachten. Wer Satelliten selbst ins All bringen kann, gewinnt Unabhängigkeit bei Kommunikation, Erdbeobachtung, Forschung und Sicherheit. Bisher startet Europa vor allem aus Kourou in Französisch-Guayana. Andøya ist nun der erste Standort der neuen europäischen Raumhafen-Generation, von dem aus ein kommerzieller Träger den Orbit erreicht hat. 

Und jetzt? 

CEO und Mitgründer Daniel Metzler ordnete den Erfolg nüchtern ein: „Launch ist weiterhin der größte Engpass in der globalen Space-Industrie.“ Ab sofort stehe privaten wie öffentlichen Kund*innen eine echte Alternative zur Verfügung. Die nächsten Aufgaben seien damit gesetzt: Produktion hochfahren, Aufträge abarbeiten, Nachfrage bedienen.  

Die dritte Rakete soll in den kommenden Wochen fertig werden, im Werk in Parsdorf bei München entsteht eine Serienfertigung für bis zu 40 Raketen pro Jahr, und neben Andøya baut das Unternehmen einen zweiten Startplatz in Kanada auf. 

Der schwierigste Teil fängt damit erst an. Ein gelungener Start macht noch keinen verlässlichen Anbieter. Über den Rest entscheiden Taktung, Termintreue und Stückzahlen. 

Ein Startup aus der Nähe Münchens 

Hinter diesem historischen Moment steht kein jahrzehntealter Raumfahrtkonzern, sondern ein 2018 gegründetes Startup aus Ottobrunn bei München. Falls noch jemand einen Beweis brauchte, dass Startups nicht nur einzelne Produkte entwickeln, sondern ganze Industrien neu aufstellen können: Hier fliegt er. 

Foto: © Isar Aerospace 

 

Foto: © Isar Aerospace 

 

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