Newsletter des Startup-Verbands am Donnerstag, den 06.08.2026
EU Inc. – Eine echte Chance für den europäischen Wirtschaftsstandort
Europa ist der größte gemeinsame Markt der Welt. Wer hier ein Unternehmen gründet und über Grenzen hinweg wachsen will, merkt davon allerdings noch zu wenig. Mehr als 60 nationale Gesellschaftsformen und unterschiedliche Regeln für Finanzierung und Beteiligung kosten Startups Zeit, Geld und Nerven.
Die geplante europäische Gesellschaftsform „EU Inc.“ könnte das ändern. Gemeinsam mit dem Bankenverband, Business Angels Deutschland (BAND), dem KI-Bundesverband und dem Verband der Unternehmerinnen (VdU) haben wir deshalb einen Brief an die Bundesregierung geschickt. Unsere Botschaft: Unterstützt den Vorschlag der EU-Kommission und verhindert, dass aus einer europäischen Lösung wieder 27 nationale Varianten werden.
Warum Europa eine gemeinsame Gesellschaftsform braucht
Viele europäische Gründer*innen entscheiden sich heute für das US-amerikanische Gesellschaftsrecht, häufig für eine Delaware Inc. Der Rechtsrahmen ist einheitlich, international bekannt und auf schnelles Wachstum ausgelegt. Für Europa hat das Folgen. Wer in Delaware gründet, legt damit häufig auch die Spur für spätere Finanzierungsrunden oder einen Börsengang in den USA. So drohen innovative Unternehmen, Kapital und Wertschöpfung abzuwandern. Gerade für KI- und DeepTech-Startups ist das entscheidend. Sie müssen schnell skalieren und brauchen dafür viel Kapital. Wo sie gründen, sich finanzieren und wachsen, ist deshalb eine strategische Standortentscheidung.
Was die EU Inc. leisten soll
Die EU Inc. soll einen einheitlichen Rechtsrahmen für Startups im europäischen Binnenmarkt schaffen. Statt sich durch unterschiedliche nationale Vorgaben zu arbeiten, könnten Unternehmen auf gemeinsame digitale Standards setzen.
Dazu gehören:
- eine vollständig digitale Gründung innerhalb von 48 Stunden und ohne Mindestkapital,
- harmonisierte Anteilsklassen und Finanzierungsinstrumente,
- schlanke Verfahren ohne unnötige bürokratische Hürden und Formzwänge,
- ein digitales Anteilsregister,
- ein europaweit anschlussfähiges Modell für Mitarbeiterbeteiligungen,
- ein funktionierender Weg in den europäischen Kapitalmarkt.
Ein einheitlicher Rahmen würde auch grenzüberschreitende Investments einfacher machen. Gleichzeitig könnte die EU Inc. die Digitalisierung der Verwaltung voranbringen, etwa über die EUDI-Wallet und perspektivisch eine europäische Business Wallet.
Eine gute Idee darf jetzt nicht verwässert werden
Der aktuelle Vorschlag der EU-Kommission ist bereits ein Kompromiss. Aus unserer Sicht ist er das Mindestmaß dessen, was eine neue europäische Gesellschaftsform leisten muss.Es braucht eine unmittelbar geltende europäische Verordnung, konsequent digitale Verfahren, verlässliche Finanzierungsinstrumente und einen echten Zugang zum Kapitalmarkt. Dabei müssen sowohl Eigenkapital als auch Fremdkapital von Anfang an mitgedacht werden.
Zusätzliche nationale Sonderwege würden genau das wieder kompliziert machen, was die EU Inc. vereinfachen soll. Deshalb appellieren wir gemeinsam mit den vier weiteren Verbänden an die Bundesregierung, den Kommissionsvorschlag zu unterstützen und seinen Kern zu verteidigen.
Wenn wir es richtig machen, können Startups in Europa schneller gründen, leichter Kapital aufnehmen und über Grenzen hinweg wachsen. Und Europa behält, was hier entsteht: Innovation, Kapital und Wertschöpfung.
Foto: © Europäische Union, 2026 / Dati Bendo
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen stellt am 18. März 2026 den Vorschlag für die EU Inc. vor.
Der Tagesspiegel Background berichtet über unseren Verbändebrief und ordnet ein, warum die konkrete Ausgestaltung der EU Inc. für Europas Wirtschaftsstandort entscheidend ist.