Newsletter des Startup-Verbands am Donnerstag, den 20.11.2025
Zwei Tage Europa in Berlin
Montag und Dienstag ging's um Europa und wir waren mittendrin
Es gibt politische Termine, die rauschen vorbei und es gibt solche, an denen man merkt: Okay, hier versuchen Länder gerade wirklich, etwas anzustoßen. Der Gipfel zur digitalen Souveränität in Berlin gehörte zur zweiten Sorte.
Eingeladen hatten Macron und Merz. Die Frage: Wie erreicht Europa mehr digitale Eigenständigkeit und Unabhängigkeit?
Und um den Austausch zu dieser Frage schon am Vorabend zu beginnen, ging's für uns am Montag in die französische Botschaft zu unserem Pre-Event mit iconomy, France Digitale, Innovate Europe Foundation (IE.F) und European Startup Network.
Montag: Der Vorabend in der französischen Botschaft
“We're European citizens” – das war der Einstieg in den Abend und damit war klar: Das wird kein Abend der Nationalperspektiven. H.E. François Delattre (Ambassador of France to Germany) und David Amiel (Minister Delegate for the Civil Service and State Reform) waren sich mit Felix Styma und uns einig: Europa muss endlich anfangen, als ein Markt zu handeln und weniger als nationale Silos. Wir haben schlicht keine Zeit mehr zu verlieren.
In Europa haben wir keinen Ideenmangel, wenn es um Startups, Innovation und Unternehmertum geht – aber wir bremsen uns u.a. durch zu wenig gemeinsames und einheitliches Handeln, Bürokratie und fehlende Kapitalmarkttiefe. Das bekräftigten auch die Gründer*innen der Startups und Scaleups vor Ort. Die Souveränität Europas entsteht nicht durch Abschottung, sondern durch eigene Stärke.
Dienstag: der Gipfeltag
Unser DMA-Panel war direkt vor den Reden von Merz und Macron platziert. Die Themen: fairer Wettbewerb, offene Märkte und europäische digitale Stärke. Auf der großen Bühne haben wir drei Punkte deutlich gemacht, die aus Startup- und Scaleup-Sicht besonders wichtig sind:
1. DMA
Der Digital Markets Act ist ein Instrument für faire Wettbewerbsbedingungen. Und die ersten Schritte zeigen Wirkung. Wichtig ist, dass Europa den DMA konsequent anwendet und weiterentwickelt. Denn Startups und Scaleups brauchen Rahmenbedingungen, die Wettbewerb ermöglichen, nicht verhindern.
2. Ein 28th Regime
Viele Länder denken gerade entlang derselben Linie: Gründen und Skalieren sollte in Europa einfacher sein und nicht an 27 nationalen Systemen scheitern. Ein einheitliches Regime wäre ein pragmatischer, machbarer Schritt und hätte unmittelbare Wirkung für junge Unternehmen.
3. Kapital und eine Kapitalmarktunion
Kapital ist einer der zentralen Hebel, wenn es um digitale und technologische Souveränität geht. Europa ist kein armer Kontinent – im Gegenteil. Wir verfügen über 17 % des weltweiten Privatvermögens. Allein deutsche Versicherungen investieren jedes Jahr rund 300 Milliarden Euro, aber weniger als 1 % davon fließt in Risikokapital. Noch wichtiger wird die Kapitalmarktunion: Sie ist der Schritt, der notwendige Liquidität freisetzen und Börsengänge in Europa attraktiver machen kann. Erst wenn Kapitalströme wirklich europäisch funktionieren, wird Europa in der Lage sein, seine besten Ideen auch hier groß werden zu lassen.
In jedem Gespräch und auf der Bühne haben wir deutlich gemacht,
- dass faire Märkte die Basis für digitale Souveränität sind
- dass Startups und Scaleups Wachstum (nur) entfalten, wenn die Regeln stimmen
- dass wir europäisch denken müssen, statt in nationalen Silos
- und dass Innovation nicht aus Absicht entsteht, sondern aus Umsetzung
Unser Fazit
Die Wirkung entfaltet sich erst, wenn aus Einigkeit Umsetzung wird. Wir gehen dennoch mit Zuversicht aus diesen Tagen, weil Europa bei vielen Themen näher zusammengerückt ist. Und wir bleiben dran, damit aus diesem Momentum mehr für Startups und Scaleups entsteht.
Bilder: © iconomy / Andrew Grauman
Bild: © BMDS / bundesfoto / Christina Czybik