01.07.2026

Members Spotlight 5: mentcape

von Mia Ansorge (Startup-Verband)

Im Rahmen des Members Spotlight stellen wir seit Februar regelmäßig Startups aus unserer Mitgliedschaft vor. Wir haben sie nach einen paar Hard Facts gefragt - dann ging es um den “Moment of Ignition”, den Startup-Alltag, persönlichen Antrieb, Strukturen aufbauen, Hiring… Lest selber, wir finden diesen Blick hinter die Kulissen super spannend. 

Steckbrief: mentcape

Wie heißt euer Startup? mentcape GmbH

Wer sind eure Gründer*innen? Dr. Ulrich Weber (Co-Founder & Chief Medical Officer), Christian Debeuc (Co-Founder & Chief Executive Officer), Tom Helleweege (Founding Team & Chief Growth Officer) und Artem Hofmann (Founding Team & Chief Technology Officer)

Wann wurdet ihr gegründet? Im Mai 2025

Beschreibt euer Startup in 3 Sätzen. Mentcape ist ein Health-Tech-Startup, das mentale Gesundheit moderner, zugänglicher und menschlicher denkt. Wir bauen eine digitale Praxis, die Psychotherapeut:innen und qualifizierte Behandler:innen dabei unterstützt, ihre Arbeit digital abzubilden, von Sichtbarkeit und Terminbuchung über eine sichere Videosprechstunde bis hin zu Kommunikation, Dokumentation und digitaler Begleitung zwischen den Sitzungen. Gleichzeitig schaffen wir für Patient:innen einen niedrigschwelligen Zugang zu Orientierung, Selbsthilfe und passender Unterstützung, nicht wie ein System aus Formularen und Wartelisten, sondern so, wie Menschen heute wirklich Hilfe suchen.

Inside mentcape

Was war euer "Moment of Ignition"?

Unser „Moment of Ignition“ entstand aus einer einfachen, aber sehr konkreten Beobachtung: Menschen suchen Hilfe heute digital, aber mentale Gesundheitsversorgung fühlt sich für viele noch immer an wie ein System aus Formularen, Wartelisten und fragmentierten Einzellösungen. In der therapeutischen Praxis wurde gleichzeitig deutlich, dass gute Versorgung nicht nur im Sitzungstermin passiert, sondern auch dazwischen: wenn Patient:innen Orientierung brauchen, Übungen umsetzen, Fortschritte reflektieren oder den nächsten Schritt suchen. Genau daraus entstand die Idee für Mentcape: eine digitale Plattform für mentale Gesundheit zu bauen, die Therapeut:innen entlastet, Patient:innen besser begleitet und Versorgung moderner, zugänglicher und menschlicher macht.

Was bringt euch im Gründungsalltag zum Lachen – selbst in stressigen Phasen?

Uns bringt im Gründungsalltag vor allem die Absurdität kleiner Startup-Momente zum Lachen: wenn man morgens über Versorgungslücken, Digitalisierung und Skalierung spricht und nachmittags darüber diskutiert, ob ein Button jetzt „Weiter“, „Starten“ oder „Loslegen“ heißen sollte. Gerade in stressigen Phasen hilft uns, dass wir nicht alles zu ernst nehmen, auch wenn uns das Thema sehr ernst ist. Am Ende lachen wir oft über genau diese Mischung aus großer Vision und sehr kleinen Detailfragen, aus medizinischer Verantwortung, Produktlogik und dem ganz normalen Gründerchaos.

Was treibt euch (ganz persönlich) an?

Uns treibt ganz persönlich an, dass mentale Gesundheit für viele Menschen immer noch viel zu schwer zugänglich ist, obwohl der Bedarf riesig ist. Zwischen dem ersten Gedanken „Ich brauche Unterstützung“ und tatsächlicher Hilfe liegt oft ein langer, komplizierter Weg voller Unsicherheit, Wartezeit und Orientierungslosigkeit. Wir sind überzeugt davon, dass das nicht so bleiben muss. Mentale Gesundheit sollte moderner, niedrigschwelliger und menschlicher gedacht werden: digital dort, wo es hilft, therapeutisch fundiert dort, wo es zählt, und so gestaltet, dass Menschen sich nicht allein fühlen, wenn sie Unterstützung suchen. Gleichzeitig treibt uns an, Therapeut:innen echte Entlastung zu bieten. Denn bessere Versorgung entsteht nicht nur durch mehr Tools, sondern durch Lösungen, die im Alltag wirklich funktionieren.

Wie habt ihr euch am Anfang eine Struktur geschaffen? Könnt ihr was empfehlen?

Am Anfang haben wir versucht, nicht direkt alles perfekt zu bauen, sondern erstmal Ordnung in die wichtigsten Fragen zu bringen: Was ist unser Zielbild, welches Problem lösen wir wirklich, für wen bauen wir zuerst und woran messen wir Fortschritt? Daraus haben wir einfache Arbeitsbereiche abgeleitet, vor allem Product, Tech, Growth, Strategy und Unternehmensorganisation. Was wir empfehlen können: sehr früh eine klare Priorisierung schaffen und regelmäßig überprüfen, ob man noch am richtigen Problem arbeitet. Gerade im Startup-Alltag entstehen ständig neue Ideen, Chancen und Baustellen. Ohne Struktur verliert man sich schnell in im Kleinklein oder in einem Aktivismus, der sich produktiv anfühlt, aber nicht unbedingt Fortschritt bringt. Uns hilft besonders ein einfacher Rhythmus: klare Wochenziele, kurze Abstimmungen, dokumentierte Entscheidungen und ein gemeinsames Verständnis davon, was gerade wirklich wichtig ist. Struktur muss am Anfang nicht kompliziert sein. Sie muss vor allem helfen, Fokus zu behalten.

Für welche Rollen habt ihr zuerst gehired und warum? War das rückblickend sinnvoll?

Am Anfang haben wir vor allem auf Praktikant:innen und sehr vielseitige Profile gesetzt, weil in einer frühen Phase noch nicht immer klar ist, welche Aufgaben morgen wirklich am wichtigsten sind. Wir brauchten Menschen, die mitdenken, schnell lernen und in verschiedenen Bereichen unterstützen können: Research, Content, Marketing, Produktfeedback, operative Aufgaben und Growth-Themen. Rückblickend war das sinnvoll, weil diese Flexibilität enorm geholfen hat, Tempo aufzubauen und viele Themen parallel voranzubringen, ohne direkt feste Spezialrollen aufzubauen. Gleichzeitig haben wir gelernt: Auch generalistische Unterstützung braucht klare Prioritäten, gute Anleitung und konkrete Verantwortlichkeiten, sonst entsteht zwar schnell viel Aktivität, aber nicht immer der gewünschte Fortschritt. Unsere Empfehlung wäre deshalb: Früh keine zu engen Rollenprofile suchen, sondern Menschen, die neugierig, strukturiert und hands-on sind. Aber von Anfang an sehr klar machen, woran gearbeitet wird, welches Ergebnis erwartet wird und wie es auf das größere Ziel einzahlt.

Und warum seid ihr Mitglied im Startup-Verband?

Wir sind über die OMR 2026 mit dem Startup-Verband in Kontakt gekommen und haben dort am Stand ein BOOSTER TICKET für eine beitragsfreie Mitgliedschaft bis Ende 2027 gewonnen. Das war für uns ein schöner Anlass, Teil des Verbands zu werden und Mentcape stärker in das deutsche Startup-Ökosystem einzubringen. Besonders spannend ist für uns der Zugang zu einem Netzwerk aus Startups, Investor:innen, Business Angels und Unterstützer:innen sowie der Austausch zu Themen wie Finanzierung, Wachstum und politischen Rahmenbedingungen. Gerade weil Mentcape an der Schnittstelle von mentaler Gesundheit, Digitalisierung und Versorgung arbeitet, ist es für uns wertvoll, Teil einer Community zu sein, die junge Unternehmen sichtbar macht, vernetzt und gegenüber Politik und Wirtschaft stärkt.

Wo melden sich potenzielle Kund*innen oder Partner*innen am besten, falls Fragen bestehen?

c.debeuc@mentcape.com

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