04.11.2026

Members Spotlight 13: famagic

von Mia Ansorge (Startup-Verband)

Im Rahmen des Members Spotlight stellen wir seit Februar regelmäßig Startups aus unserer Mitgliedschaft vor. Wir haben sie nach ein paar Hard Facts gefragt - dann ging es um den “Moment of Ignition”, den Startup-Alltag, persönlichen Antrieb, Strukturen aufbauen, Hiring… Lest selber, wir finden diesen Blick hinter die Kulissen super spannend. 

Steckbrief: famagic

Wie heißt euer Startup? famagic

Wer sind eure Gründer*innen? Yvonn Rau und Henning Rau (Ehepaar und Eltern von zwei kleinen Kindern aus Berlin)

Wann wurdet ihr gegründet? 2026

Beschreibt euer Startup in 3 Sätzen. famagic ist die intelligente Familien App, die Termine, Aufgaben, Einkaufslisten, Essensplanung und viele weitere Dinge des Familienalltags an einem gemeinsamen Ort bündelt. Künstliche Intelligenz unterstützt Familien dabei, ihren Alltag einfacher zu organisieren, beispielsweise indem sie aus fotografierten Kita Aushängen Termine und Aufgaben erkennt oder bei der Essensplanung hilft. Unsere Vision ist ein digitaler Mitdenker für Familien, der den unsichtbaren Organisationsaufwand reduziert, Verantwortung fairer verteilt und Eltern wieder mehr Zeit für das gibt, was wirklich zählt.

Inside famagic

Was war euer "Moment of Ignition"?

Eigentlich sind wir zwei ziemlich gut organisierte Menschen. Wir sind beide berufstätig, haben zwei kleine Kinder und teilen uns unseren Familienalltag. Trotzdem hatten wir immer wieder das Gefühl, dass unser Kopf niemals wirklich Feierabend hat. Da sind die Kita Nachrichten, Arzttermine, Geburtstagsgeschenke, Einkäufe, neue Schuhgrößen und all die kleinen Dinge, an die ständig jemand denken muss. Das Problem war nicht, dass wir zu wenig organisiert waren. Das Problem war, dass wir permanent organisieren mussten. Irgendwann stellten wir uns eine Frage: Warum gibt es intelligente digitale Lösungen für nahezu jeden Unternehmensprozess, aber die Organisation einer Familie findet noch immer in unzähligen Apps, Chatverläufen und vor allem in unseren Köpfen statt? Wir begannen, mit anderen Eltern zu sprechen, und merkten schnell, dass wir mit diesem Problem nicht allein sind. Mehr als hundert Elternteile haben uns inzwischen ihre Herausforderungen geschildert und bestätigt, wie viel unsichtbare Arbeit hinter einem funktionierenden Familienalltag steckt. So entstand famagic. Wir wollten nicht einfach noch eine weitere App für Aufgaben und Termine entwickeln. Wir wollten etwas schaffen, das Familien wirklich Arbeit abnimmt, mitdenkt und dafür sorgt, dass sich nicht mehr eine Person für alles verantwortlich fühlen muss.

Was bringt euch im Gründungsalltag zum Lachen – selbst in stressigen Phasen?

Die Ironie, dass wir ausgerechnet eine App entwickeln, die den Familienalltag einfacher machen soll, während wir selbst versuchen, ein Startup, unsere Berufe und zwei kleine Kinder unter einen Hut zu bekommen. Manchmal sprechen wir gerade noch über künstliche Intelligenz, Automatisierung und unsere große Produktvision und fünf Minuten später geht es um die Frage, was es heute zum Abendessen gibt oder wer noch etwas für die Kita besorgen muss. Unsere Kinder sorgen zuverlässig dafür, dass wir bei aller Startup Euphorie den Bezug zur Realität nicht verlieren. Und wenn wir merken, dass wir gerade wieder genau das Problem erleben, für das wir famagic entwickeln, müssen wir manchmal einfach über uns selbst lachen.

Was treibt euch (ganz persönlich) an?

Wir glauben, dass Elternschaft nicht bedeuten sollte, die eigenen Träume, beruflichen Ambitionen, persönliche Freiheit oder die Partnerschaft hintenanzustellen. Wir lieben unser Familienleben. Gleichzeitig wissen wir aus eigener Erfahrung, wie schnell der Alltag von Organisation bestimmt wird. Oft sind es nicht die großen Aufgaben, sondern die unzähligen kleinen Dinge, die ständig im Kopf mitlaufen und Energie kosten. Wir wünschen uns, dass Eltern wieder mehr Raum für die schönen Momente des Familienlebens haben. Dass Verantwortung selbstverständlich gemeinsam getragen wird. Und dass moderne Technologie nicht nur unseren Arbeitsalltag effizienter macht, sondern endlich auch unser Privatleben spürbar erleichtert. Was uns besonders motiviert, sind die Gespräche mit anderen Eltern. Wenn wir hören, wie viele Familien vor denselben Herausforderungen stehen, bestärkt uns das in unserer Mission. Wir möchten mit famagic nicht einfach eine erfolgreiche App entwickeln. Wir möchten verändern, wie Familien ihren Alltag organisieren und wie viel mentale Verantwortung Eltern dafür tragen müssen. Unsere Vision ist eine Zukunft, in der Eltern weniger Zeit damit verbringen, Familie zu organisieren, und mehr Zeit haben, Familie zu leben.

Wie habt ihr euch am Anfang eine Struktur geschaffen? Könnt ihr was empfehlen?

Als Ehepaar und Gründerteam haben wir einen großen Vorteil: Wir kennen unsere jeweiligen Stärken und ergänzen uns fachlich sehr gut. Henning verantwortet die technische Entwicklung und Yvonn kümmert sich insbesondere um Kommunikation, Marketing und den Austausch mit unserer Community. Da wir gleichzeitig beide berufstätig und Eltern von zwei kleinen Kindern sind, mussten wir früh lernen, unsere begrenzte Zeit gezielt einzusetzen und Prioritäten zu setzen. Besonders wichtig war für uns, möglichst früh echte Eltern einzubeziehen. Wir haben mehr als hundert Eltern befragt und entwickeln famagic heute gemeinsam mit den Familien weiter, die unsere App bereits nutzen. Unsere wichtigste Erkenntnis: Man muss nicht alles selbst machen und auch nicht jede gute Idee sofort umsetzen. Entscheidend ist, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die tatsächlich einen Unterschied machen. Gerade als Eltern wissen wir, dass Zeit unsere wertvollste Ressource ist. Deshalb versuchen wir auch beim Aufbau unseres Unternehmens konsequent nach dem Prinzip zu handeln, das hinter famagic steht: weniger organisieren, mehr Zeit für das Wesentliche schaffen.

Für welche Rollen habt ihr zuerst gehired und warum? War das rückblickend sinnvoll?

Unsere ersten Mitarbeiterinnen waren tatsächlich Testerinnen. Uns war von Anfang an wichtig, famagic nicht nur aus unserer eigenen Perspektive als Eltern zu entwickeln, sondern möglichst früh ehrliches Feedback aus dem echten Familienalltag zu bekommen. Denn was auf dem Papier sinnvoll klingt, muss zwischen Kita, Job, Einkäufen und Abendessen auch wirklich funktionieren. Ein weiterer Bereich, in dem wir uns früh Unterstützung geholt haben, war Social Media. Wir haben schnell gemerkt, wie unglaublich zeitintensiv es ist, regelmäßig Inhalte zu entwickeln, Videos zu produzieren, verschiedene Kanäle zu bespielen und gleichzeitig eine Community aufzubauen. Gerade als kleines Gründerteam ist Zeit unsere knappste Ressource. Deshalb war es für uns wichtig, Unterstützung dort einzusetzen, wo sie uns Freiraum für die Produktentwicklung und den direkten Austausch mit unseren Nutzerinnen und Nutzern verschafft. Rückblickend würden wir diese Entscheidung genauso wieder treffen. Unsere Testerinnen haben uns geholfen, das Produkt besser zu machen, und die Unterstützung im Marketing hilft uns dabei, dass Familien überhaupt von famagic erfahren. Denn auch die beste Lösung bringt wenig, wenn die Menschen, für die sie entwickelt wurde, nichts von ihr wissen.

Und warum seid ihr Mitglied im Startup-Verband?

Wir sind überzeugt, dass Innovation nicht nur Unternehmen und Industrien verändern sollte, sondern auch unseren gesellschaftlichen Alltag. Mit famagic beschäftigen wir uns mit Themen, die weit über eine einzelne App hinausgehen: Vereinbarkeit von Familie und Beruf, faire Verteilung von Care Arbeit, Mental Load und die Frage, wie Technologie Menschen wirklich entlasten kann. Als junges Startup profitieren wir enorm vom Austausch mit anderen Gründerinnen und Gründern. Wir möchten voneinander lernen, Erfahrungen teilen, neue Perspektiven gewinnen und gemeinsam mit anderen etwas bewegen. Wie wertvoll dieses Netzwerk ist, haben wir beispielsweise auf der IFA erlebt, wo wir viele spannende Menschen aus dem Startup Ökosystem kennenlernen durften. Wir wünschen uns ein starkes deutsches Startup Ökosystem, in dem auch Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen die Aufmerksamkeit und Unterstützung bekommen, die sie verdienen.

Wo melden sich potenzielle Kund*innen oder Partner*innen am besten, falls Fragen bestehen?

Am einfachsten über unsere Webseite www.famagic.app. Dort können Familien famagic kennenlernen und die App direkt nutzen. Wir freuen uns besonders über Eltern, die ihren Familienalltag gemeinsam organisieren möchten und Lust haben, famagic mit ihren Erfahrungen und Ideen weiterzuentwickeln. Wir freuen uns außerdem über den Austausch mit Unternehmen, Arbeitgebern, Familienorganisationen und möglichen Kooperationspartnern, die unsere Vision teilen, Familien im Alltag zu entlasten und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern. Für Fragen, Ideen oder Kooperationsanfragen sind wir über unsere Webseite erreichbar.

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