20.08.2026
Ist das Bankkonto der beste Ort für euer Funding-Kapital? Liquidität, Sicherheit und Rendite gleichermaßen im Blick behalten
von Ulrich Zwanzger (Union Investment Management)
Ist das Bankkonto der beste Ort für euer Funding-Kapital? Liquidität, Sicherheit und Rendite gleichermaßen im Blick behalten (Inklusive Checkliste)
Herzlichen Glückwunsch! Die erste oder vielleicht auch bereits die nächste Finanzierungsrunde ist geglückt: Die Investoren sind von euch und dem Unternehmen überzeugt – das Kapital ist geflossen.
Und zwar nicht nur die Mittel, die in den kommenden Wochen für Miete, Gehälter und Co. benötigt werden, sondern Geld, das über die nächsten Monate, Quartale oder auch ein bis zwei Jahre trägt.
Was also damit tun? Ein Großteil dieser Mittel liegt auf dem Konto der jeweiligen Hausbank oder ist, im besten Fall, verteilt auf zwei verschiedene Banken, um das Risiko etwas zu streuen.
Doch ist das die beste Lösung? Ist das wirklich der einzige Weg, um die Liquidität zu sichern? Und wie steht es um Sicherheit und eine angemessene Verzinsung?
Ein Blick auf den Habenzins des eigenen Unternehmenskontos lohnt sich. Wie weit liegt er vom aktuellen Einlagesatz der EZB (Stand Juli 2026: 2,25 %) entfernt?
Neben der Rendite lohnt ein ebenso genauer Blick auf das Risiko. Vor einigen Monaten habe ich bei einem Workshop in Berlin knapp 20 Finanzverantwortliche und Treasurer von Startups gefragt, wie viel Zeit in die Due Diligence ihrer Bankpartner bei Geldanlagen fließt.
Die Antworten waren erfrischend ehrlich, aber auch ernüchternd: „30 Sekunden.“ Oder: „Warum überhaupt eine Due Diligence bei Banken?“ Dass auch bei Banken reale Risiken bestehen, wissen wir nicht erst seit gestern, so recht präsent ist es uns aber immer noch nicht.
Gibt es also andere sinnvolle Möglichkeiten, Funding-Geld zu parken, bis wir es benötigen?
Ja, die gibt es.
Konservative Geldmarktfonds, oder die sogenannten „Short Duration Funds“, können eine sinnvolle Alternative für den Bodensatz der Liquidität sein: Das Kapital wird durch den Fondsmanager breit gestreut in konservative Anleihen investiert, häufig in 100 oder mehr verschiedene festverzinsliche Wertpapiere.
Damit sinkt das Risiko, von einer Bankpleite substanziell getroffen zu werden, erheblich. So unwahrscheinlich dies zum jetzigen Zeitpunkt auch erscheinen mag, die Turbulenzen um die Silicon Valley Bank und die Credit Suisse im Jahr 2023 liegen noch nicht lange zurück.
Die Rendite eines solchen Fonds liegt in aller Regel höher – auch nach Kosten für Fonds und Depot: mal 0,5 %, mal deutlich über 1 % mehr als auf dem Konto.
Bei 5 Mio. EUR Funding-Kapital entspricht das bereits einem Unterschied von 50.000 EUR pro Jahr. Das sind Mittel, die sich an anderer Stelle gezielt in Wachstum investieren lassen.
Auch die Verfügbarkeit ist gegeben: Fonds werden täglich gepreist und können somit börsentäglich ge- oder verkauft werden – ganz gleich, ob das Unternehmen Liquidität vorübergehend übrig hat oder sie kurzfristig benötigt.
Am Ende geht es um genau drei Größen und darum, sie nicht gegeneinander auszuspielen: Liquidität, Sicherheit und Rendite. Ein konservativer Geldmarktfonds bedient alle drei zugleich: Das Kapital bleibt börsentäglich verfügbar, das Ausfallrisiko verteilt sich auf hunderte Schuldner statt auf eine einzige Bankbilanz und die Verzinsung liegt spürbar über dem Kontozins. Wer sein Funding-Kapital allein auf dem Bankkonto liegen lässt, entscheidet sich – meist unbewusst – gegen zwei dieser drei Ziele.
Checkliste:
☐ Liquiditätsbedarf prüfen: Wie viel des Funding-Kapitals wird in den nächsten Wochen und Monaten für Gehälter, Miete, Steuern und andere Ausgaben benötigt?
☐ Bodensatz bestimmen: Wie viel Kapital bleibt voraussichtlich über mehrere Monate oder länger ungenutzt? Erst dieser Teil kommt für eine alternative Anlage infrage.
☐ Kontozins vergleichen: Wie hoch ist der aktuelle Habenzins? Wie groß ist der Abstand zum Einlagesatz der EZB und zu einer konservativen Fonds-Rendite?
☐ Bankrisiko prüfen: Wie viel Kapital liegt bei einer einzelnen Bank? Wie ist die Bonität der Bank und wie wurde sie bei der Anlageentscheidung berücksichtigt?
☐ Alternative Anlagen prüfen: Welche Möglichkeiten gibt es für den mittelfristig nicht benötigten Teil der Liquidität, etwa konservative Geldmarktfonds oder Short Duration Funds?
☐ Rendite nach Kosten berechnen: Wie hoch ist die erwartete Mehr-Verzinsung nach Fonds- und Depotkosten? Bei 5 Mio. Euro entspricht 1 Prozentpunkt zusätzlicher Rendite 50.000 Euro im Jahr.
☐ Verfügbarkeit prüfen: Wie schnell kann das Kapital wieder für das Unternehmen verfügbar gemacht werden? Passt die Abwicklung zum eigenen Liquiditätsbedarf?
☐ Aufteilung festlegen: Wie viel Kapital bleibt auf dem Konto und wie viel wird für den Bodensatz der Liquidität angelegt? Sind Liquidität, Sicherheit und Rendite dabei angemessen berücksichtigt?
Als neuer Partner des Startup-Verbands möchten wir unseren Beitrag zur Aufklärung rund um diese Fragen des Liquiditätsmanagements leisten – damit die Gründerinnen und Gründer ihre Zeit anschließend auf das Wesentliche richten können: den Aufbau und das Wachstum ihres Unternehmens.
Über den Autor: Ulrich Zwanzger ist bei Union Investment Management für die Betreuung von Unternehmen verantwortlich (vom Start-up bis zum DAX-Konzern). Als früherer Fondsmanager mit mittlerweile drei Jahrzehnten Kapitalmarkterfahrung berät er zur sinnvollen Anlage von Treasury-Liquidität ebenso wie zu längeren Anlagehorizonten. Union Investment ist Teil der genossenschaftlichen FinanzGruppe; ihr sind über 550 Mrd. Euro an Anlagegeldern institutioneller und privater Kunden anvertraut, die von mehr als 250 Investmentspezialisten professionell gemanagt werden.
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